Comeback mit Vollbart. Cat 1970

Das Album "The very best of Cat Stevens" steht hoch
in den englischen Charts und hat auch bei uns schwer eingeschlagen. Nummern von
dieser Scheibe wie "The first Cut is the Deepest", "Lady D´
Arbanville" oder "Moonshadow" singen die kleinen Kinder im Wagen
und ihre Eltern beim Schieben. Viele wissen gar nicht mehr, woher diese Songs
stammen, die sich in den Köpfen der Leute so fest gesetzt haben wie ein paar
hundert Jahre alte Volkslieder. Denn Cat Stevens, ihr Schöpfer, existiert heute nur noch als Rock-Phantom, das nicht aufhören kann, durch die Phantasien der Fans zu spuken. Sie beginnen zwar allmählich den Zusammenhang zwischen
dem Softrocker und seinen Songs zu vergessen, doch die Geschichte von Cats plötzlichem und mysteriösen Verschwinden aus der Rockszene 1978 beschäftigt sie immer noch.
Selbst diejenigen, die damals noch zu
jung waren, um den Abschied des Sängers bewußt mitbekommen zu haben.
Kein Wunder, daß immer wieder neue Gerüchte die Runde machen.

Jetzt, nachdem die Hit-Sammlung erschienen ist, heißt es prompt, Cat Stevens plane ein Comeback und wolle noch in
diesem Jahr auf Tournee gehen. An dieser Geschichte ist nichts dran, außer daß der einstige Superstar immer
noch am Leben ist. Er heißt jetzt Yusuf Islam und wirkt nach jahrelangem
Koran-Studium als Mullah einer schiitischen Gemeinde im Londoner Stadtteil Islington. Seine Millionen spendete er zum Bau
einer Moschee und zur Unterstützung von Hilfsorganisationen wie Islam Aid. Geboren wurde Cat Stevens am 21.Juli 1948
in London als Sohn eines zypriotischen
Einwanderers. In seinem griechisch-orthodoxen Taufschein steht der Name Steven Demetri Giorgiou. Auf der Kunstschule,
wo er sich wegen seiner Vorliebe für Katzenzeichnungen aller Art den Spitznamen Cat einfing, interessierte er sich
zunächst ausschließlich für die Malerei. Doch die ersten Songs der Beatles lösten 1962 bei Cat das Fieber aus.
Er kaufte sich eine Gitarre, brachte sich selbst die wichtigsten Akkorde bei und begann wild Songs zu schreiben. In der Schule und
bei seinen Kumpels ließ er sich kaum noch blicken. 1966 hatte Cat seinen Plattenvertrag an der Angel und auf Anhieb einen Hit
- "I love my Dog". Es folgten Knaller am laufenden Band "Matthew and Son", "I'm gonna get me a Gun",
"The first Cut is the Deepest", "Here comes my Wife", die sich alle durch pfiffige Komposition und ausgefuchste
Arrangements inklusive Streichorchestern und Bläserbatterien auszeichneten.

Mit dem Erfolg und seinem dicken Bankkonto wurde Cat nicht fertig. Er begann, sich mit Drogen und Alkohol systematisch fertig zu machen, bis er im September 1968 auf einer Tour mit Jimi Hendrix umkippte. Die Ärzte diagnostizierten Lungen-TBC in einem bereits lebensbedrohenden Stadium und verbannten ihn für ein halbes Jahr ins Sanatorium. Dort wurde ein anderer Mensch aus Cat. Mit Vollbart, ernst und in sich gekehrt kam er wieder raus, wollte mit dem Musikgeschäft zunächst nichts mehr zu tun haben.
Erst 1970 meldete Cat Stevens sich mit dem Album "Mona Bone Jakon" zurück. Auf dem, wie auf den folgenden "Tea for the Tillerman" (1971), "Teaser and the Firecat" (1971), "Catch bull at four" (1972) schlug er ganz neue Töne an. Gefühlsgeladene, meistens melancholische Balladen mit romantisch märchenhaften Texten kamen zur Hippie-Zeit bei den Fans in Amerika und ganz Europa riesig an. "Moonshadow", "Peace Train", "Morning has Broken", "Sad Lisa" entwickelten sich zu Klassikern der Rockgeschichte. Bis 1978 hielt Cat auch live im Rockrummel, den er den eigentlich hasste, durch. Nach seinem Album "Back to Earth" hängte er die Gitarre an Nagel und fand seinen Frieden bei Allah. Musik, die er heute als "eitlen Traum" bezeichnet, wird er nie wieder machen.