Songs dieser LP:
Wild World, Oh very young, Cant´t keep it in, Hard Headed Woman, Moonshadow, O´ Caritas, Peace Train, Ready,
Father and Son, Sitting, Morning has Broken, Lady D´ Arbanville.
Diese LP stammt aus der AMIGA-Serie der ehemaligen DDR und wurde 1978 veröffentlicht.
Auf der Rückseite des LP-Covers ist folgende Biographie gedruckt:
Anfang der 70er Jahre waren viele der führenden Rockgruppen
in Auflösung begriffen. In die entstehende Lücke sprangen Solo-Entertainer.
Die Mehrzahl ihrer Songs aber war geprägt von Romantismen und einem
Zurückziehen auf individuelle Probleme.
Um so bemerkenswerter ist es, daß sich selbst in dieser Periode einige Songinterpreten
und -schreiber wie Elton John, Neil Diamond, Gilbert O´ Sullivan und Stephen
Stills heraus kristallisierten, in deren Schaffen ein tiefes Unbehagen mit der
kapitalistischen Wirklichkeit unüberhörbar ist. Auch Cat Stevens gehört
zu jenen, bei denen die Reflektionen über Themen des eigenen Lebens und der
unmittelbaren Umgebung nicht selten dazu führen, den krisenverkleisternden
nostalgischen Schleier zu zerreißen und Fragen nach der Realisierbarkeit
der Träume, Sehnsüchte und Forderungen von Millionen zu stellen. Das
wohl überzeugendste Beispiel ist sein Titel "Peace Train", in dem
er symbolisch schildert, wie der Zug des Friedens immer mehr Menschen vereint.
Cat Stevens - eigentlich Steven Demetri Georgiou - wurde als jüngster
Sohn einer Schwedin und eines Griechen am 21. Juli 1948 im Londoner Stadtteil
Hammersmith geboren. Schmutzige Hinterhöfe und Fassaden-Neonlichter
ließen den sensiblen Knaben die Widersprüche seiner Umwelt
erfassen. Im Zeichnen von Karikaturen sah er eine Möglichkeit, seine
Haltung zu der ihn umgebenden Welt wiederzugeben. Am College of Art in
Hammersmith nahm er ein entsprechendes Studium auf. Doch er hatte noch
nicht das zweite Semester beendet, als ihm das Singen und musizieren in
der Band "J.A.S.-Trime" mehr Freude bereitete und er beschloß,
sich künftig der Musik zu widmen. Es folgten harte Jahre, in denen
er mehr Erfahrungen als Erfolge zu verzeichnen hatte. Erst ab Mitte der
60er Jahre fanden seine Songs zunehmend Anerkennung. Doch Cat Stevens
erging es so, wie vielen anderen Künstlern (man denke an Stevie Wonder):
Seine Begabung wurde von der kapitalistischen Musikindustrie in eine ihr
genehme Richtung gelenkt, die nicht seinem künstlerischen Anspruch
Anliegen entsprach: "Ich wollte schlicht gute Musik machen, doch
dann wurde es mehr und mehr geschäftsmäßig ausgeschlachtet".
Schließlich produzierte er nur noch Hit-Singles, die er im Rahmen vorgeschriebener
Tourneepläne und Fernsehauftritte zu popularisieren hatte. Kurzum, er war
zur Gesangsmarionette geworden. Selbst kommerzielle Erfolge vermochten nichts
daran zu ändern, daß er todunglücklich war. Dieser Widerspruch
führte im September 1968 zu einem körperlichen Zusammenbruch. Die folgenden
Monate nutzte Stevens, um über sich und sein künstlerisches Wollen nachzudenken.
Es entstanden zahlreiche neue Lieder. Und wieder meldet sich das Musikbusiness.
Doch Stevens lehnte ab. Er suchte und fand Produktionsbedingungen bei Island Records
Ltd., die es ihm ermöglichten, seine Ideen zu verwirklichen.
Die folgende Auswahl bringt eine Auswahl dieser neuen Songs von den LP´s
"Mona Bone Jakon" (1970), "Catch Bull at Four" (1972)
und "Cat Stevens Greatest Hits" (1975).
Seine Songs entwickelt Stevens beim Präludieren auf Gitarre oder
Piano. Text und
musikalische Idee bilden zumeist von Beginn an eine Einheit. Zur Umsetzung
seiner poetischen am Folkrock orientierten Songs bedarf Stevens keines
großen Orchester-Apparats, ihm genügen wenige Zusatzinstrumente.
Er will, daß das Anliegen seiner Titel verständlich bleibt.
In "Wild World" (Wilde Welt) gibt er seiner Freundin den Rat:
"Wenn Du gehen willst, paß auf - mit einem Lächeln kommt
man nicht durch diese wilde Welt. Ich will nicht, daß Du vom Wege
abkommst". Nachdenklichkeit löst auch "Oh very young"
(ach so jung) aus. Da auch junge Menschen vom Tode betroffen werden können,
erinnert Stevens: "Denkt daran, was ihr auf der Erde hinterlassen
werdet". Unerwartet hart und zupackend ist "Can´t keep
it in" (Ich kann es nicht für mich behalten) gestaltet. Dieser
Liebeserklärung liegt der Gedanke zugrunde, das Leben nicht unnötig
zu verschwenden. Mit dem Titel "Hard Headed Woman" (realistische
Frau) wendet sich Stevens gegen irreale Phantastereien. "Wenn er
eine realistische Frau gefunden hat, dann werden ihm all die anderen, die nur jemand zum Bezahlen suchen,
nichts mehr zu bedeuten haben". "Moonshadow" (Mondschatten),
"O´ Caritas", "Morning has Broken" (der Morgen
ist angebrochen) und "Lady D´ Arbanville" sind ebenfalls
von emotionaler Tiefe geprägt.
Bei Titeln wie "Ready" (Bereit) und "Sitting" (Sitzend)
zeigt Stevens, daß ihm die Gestaltung leidenschaftlich-erregender
Töne nicht minder gut liegt. Wechselnder Tonfall löst auch "Father
and Son" (Vater und Sohn) aus. Der Titel behandelt ein uraltes Thema:
Das Selbständigwerden der Kinder und ihr Verhältnis zum Elternhaus.
Kurzum: Auch mit dieser Auswahl erweist sich Cat Stevens als einer der
sensiblen Poeten der Rockmusik, der um Einsichten in zutiefst menschliches
bereichert.