Yusuf Islam, früher bekannt als Cat Stevens, singt im Namen Allahs und wirbt um Ausgleich zwischen den Kulturen.
von unserer Mitarbeiterin Susanne Gürsten
Istanbul
Mit seinem langen Islamistenbart, den kurzen Haaren und der runden Brille erinnert er nur noch entfernt an den umjubelten Popstar der 70er Jahre, aber Cat Stevens weiß immer noch, wie man öffentlichkeitswirksam eine neue Platte präsentiert. In der türkischen Metropole Istanbul trommelte der 52-jährige jetzt die Presse im teuersten Hotel am Platze zusammen, warb für sein erstes Album seit mehr als 20 Jahren und gab fleißig Interviews und Autogramme. Doch es ist kein herkömmliches Comeback. Cat Stevens heißt schon lange nicht mehr Cat Stevens, sondern Yusuf Islam.
Und auf
seiner neuen CD "Bismillah" ("Im Namen Allahs") sind keine
eingängigen Hits zur akustischen Gitarre zu hören, sondern Lieder mit
einer "islamischen Identität", wie er sagt. "Ich habe seit
23 Jahren keine Gitarre mehr angefasst", behauptet der Mann, der mit Liedern
wie "Moonshadow" und "Morning has Broken" weltberühmt wurde.
Nach seinem Übertritt zum Islam 1977 hatte sich Yusuf Islam fast völlig
aus dem Musikgeschäft zurückgezogen.
Doch insbesondere seit den Terroranschlägen in den USA im September fühlt
er sich aufgerufen, wieder mehr in der Öffentlichkeit aufzutreten und
für ein besseres Verhältnis zwischen dem Westen und dem Islam zu
werben. Der Sänger, dem in der Vergangen
heit hin und wieder extremistische Tendenzen vorgeworfen wurden, distanziert
sich von Terror und Gewalt, beklagt aber immer wieder die Ignoranz des Westens
seinem Glauben gegenüber. Vor wenigen Wochen nahm er in New York an einem
Gedenk - Konzert für die Opfer der Anschläge teil und auch seine neue Platte
soll zur Verständigung zwischen den Kulturen beitragen. "Für den
Frieden muss jeder seinen Beitrag leisten", sagt er, "Ich sehe mich
selbst als Brücke zwischen der westlichen und der islamischen Welt".
Dass er nach mehr als 20 Jahren wieder im Studio war, bedeutet aber nicht, dass
der alte Cat Stevens wieder aufersteht und sich anschickt, die Hitparaden zu
stürmen.
Energisch dementiert Islam Berichte, wonach er sich wieder mit "Cat"
anreden lässt. "Ich mag meinen alten Namen, aber jetzt bin ich Yusuf".
Das Album "Bismillah", für das er mit verschiedenen arabischen
Künstlern zusammen arbeitete, und auf dem kein einziges westliches Instrument
zu hören ist, enthält fast keinen Hinweis auf die musikalische Vergangenheit des Künstlers.

Ausnahme ist das Stück "The Wind", das schon Cat Stevens sang - als Zeichen der Veränderung singt es Yusuf Islam auf seinem neuen Album aber ganz ohne Instrumente. Mit der Türkei, dem Land zwischen Orient und Okzident, fühlt sich der Brite schon seit Jahren eng verbunden.
Häufig tritt der Brite in Talkshows
islamistischer Fernseh-Sender auf. "Die Türkei war das erste Land,
das ich besuchte, als ich Moslem geworden war, und es ist das Land, in dem
ich immer am freundlichsten aufgenommen wurde. Hier berühren sich West
und Ost."
Wenn er in Istanbul ist, betet Islam gerne in den berühmten Sultansmoscheen
der Stadt. Abgesehen von diesen Höhepunkten gibt es für Yusuf Islam
bei Aufenthalten in Istanbul aber auch durch und durch irdische Genüsse,
die das frühere Teenie-Idol mit hunderttausenden anderen Istanbul - Besuchern
teilt. "Sobald ich angekommen bin, esse ich erst mal einen Kebab".