Cat Stevens: "Ich schäme mich, weil ich reich bin".
Donnerstag - Drückende Schwüle auf dem
Flughafen von Dacca. Flughafen ? Eher eine Art Schuppen, der vielen Bettlern Unterschlupf bietet. Ein Vertreter der UNICEF empfängt Cat Stevens und lotst
ihn zu einem klapprigen Taxi, das mit lautem Gehupe zum Hotel kurvt.
Deutlich sind an dem Gebäude noch die Spuren des Krieges mit Pakistan sichtbar. Bis in die vornehme Hotelhalle verfolgen ihn die bettelnden
Kinder. Cat geht zu einem kleinen Jungen, dem beide Beine fehlen. Die anderen
Kinder schubsen den Kleinen rücksichtslos weg, wollen ihm sein erbetteltes
Geld abjagen.
Dienstag - seit fünf Tagen das gleiche Elend.
So erschreckend es ist, man wird gleichgültig, abgestumpft. Erschrickt nicht mehr, wenn einer auf der Straße stirbt. Die Fahrt geht nach Chitta-Gong,
die wichtigste Hafenstadt Bangla-Deshs. Hier pulsiert das Leben, hier gibt es Arbeit. Mehr als 20 Stunden dauert ein normaler Arbeitstag.
Abends wird Cat in Rangamati zu einer kulturellen Veranstaltung erwartet. Das
Publikum: Großgrundbesitzer, Polizeibeamte und ausländische Diplomaten,
begleitet von ihren Ehefrauen. Für sie die seltene Möglichkeit, einen
weltberühmten westlichen Popstar kennen zu lernen. Cat gibt ein hervorragendes Konzert. In sich gekehrt, doch voller Energie singt er sich das
Elend der letzten Tage von der Seele.
Mit dem amerikanischen Musiker Alun Davis improvisiert er ein
Duett über die Armut dieses Landes. "Niemals soll dieses Lied auf Platte
erscheinen ! Ich will mit dem Elend anderer Menschen kein Geld verdienen !"
Aber wenn er den Erlös armen gibt ? Cat resigniert: "Damit würden
nur die anderen reicher, aber nicht die Armen".
Freitag - Cat´s nächstes Ziel ist das Fischerdorf Patuakkhallh. Anders
als im Binnenland können sich die Einwohner hier einigermaßen am
Leben erhalten. Ihre Unterernährung
rührt von der einseitigen Ernährung her. Stevens: "Dennoch sieht
man hier endlich menschenwürdige Zustände". Der Star fährt
mit den Fischern aufs Meer hinaus. Nach der Rückkehr klopft ihm der
Dorfpolizist auf die Schultern. "Sie bringen uns Glück ! Soviel wie
heute haben wir schon lange nicht mehr gefangen."
Der Polizist lädt ihn in sein gepflegtes Haus
ein, das in einer guten Wohngegend liegt. Er erklärt seinen Wohlstand so:
"Glauben Sie nicht, daß alle Polizisten so leben. Kollegen in Bohla,
nicht weit von hier, hausen in Hütten". Mittwoch - In Rangpur, im äußersten
Norden von Bangla Desh, hat eine Trockenperiode die Ernte fast vernichtet.
Jetzt hilft den Bauern der Westen. UNICEF hat Milliarden für die Landwirtschaft bereit gestellt. Rangpur hat Glück. Hier wurde ein Modellversuch für die Landwirtschaft gestartet. Immer wieder wird Cat Stevens eingeladen, primitive Behausungen zu besuchen und undefinierbare Mahlzeiten einzunehmen. Cat zögert. Nicht aus Angst vor einer Lebensmittelvergiftung, er fürchtet, die Menschen müssten anschließend seinetwegen hungern. Spontan gibt er ein Konzert auf dem Dorfplatz. Die Bewohner lauschen entzückt. Als Cat sein Bangla Desh-Lied singt, wird er mit donnerndem Applaus belohnt. Obwohl sie Cats´ Texte nicht verstehen können.
Samstag - Wieder in Dacca. Im Hotel überdenkt Cat die Lage. Hier müssen Fachleute ans Werk, die den Bauern die Maschinen erklären. Schulen und Häuser müssen gebaut werden. Abends am Flughafen entdeckt Cat den kleinen Jungen ohne Beine. Mustert ihn lange, nachdenklich. Kann sich nicht entschließen. Greift schließlich doch in den Geldbeutel und reicht dem Jungen eine dem Handvoll Münzen. Ein kurzes Leuchten der dunklen Augen ist der Dank. Auf der Gangway sagt Cat: "Dieses Bild werde ich nie vergessen".