Cat Stevens´ Weg zu Allah
Der einstige Super-Star Cat Stevens hat schon lange seinen Frieden gefunden - im Islam. Scharf verurteilt er den Anschlag auf das World Trade Center.
Von Eggert Schröder
London - Als Mensch und als Muslim bin ich durch den Horror von New
York am Boden zerstört. Das willkürliche Spektakel hat unsere Welt auf alle Zeiten
verändert", sagt Cat Stevens alias Yusuf Islam. Der Ende der 70er-Jahre vom
Mega-Star zum Mekka-Star geläuterte Sänger drückt heute stellvertretend für die
britischen Muslime tiefste Betroffenheit aus. "Für mich als Mitglied der
muslimischen Gemeinde in Großbritannien ist es wichtig, dass klargestellt wird,
dass diese Attacken nichts gemein haben mit dem Islam als Religion", sagt
Stevens und verweist auf den Koran: "Wenn jemand einen Menschen tötet, so
soll es sein, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem
Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit
das Leben erhalten."
"Der Islam, den ich in meinen Dreißigern gefunden habe,
ist ein vereinender Glaube, eine spirituelle Realität, die weit von der Zerstörung
und Gewalt in New York entfernt liegt", sagt der ehemalige Pop-Star. Cat
Stevens ist der wohl prominenteste Islam-Konvertit Großbritanniens und wegen seiner
Pop-Vergangenheit auch einer der am meisten beachteten Sprecher der 2,5 Millionen
Muslime im Vereinigten Königreich.
Stephen Demetri Georgiou wurde 1947 in London geboren.
Die Mutter war Schwedin, der Vater griechischer Zypriot und als solcher ein Türkenhasser.
In einer von katholischen Nonnen betriebenen Schule erzogen, wuchs Stevens im
kosmopolitischen Rotlicht-Viertel Soho auf, wo die Eltern eine Theaterkneipe betrieben.
In Soho entdeckte Stevens sein musikalisches Talent ebenso
früh wie Frauen, Zigaretten und Haschisch. Der erste Hit kam mit 18, doch dann
fesselte ihn 1968 eine Tuberkulose ein Jahr lang ans Krankenbett. Die beinahe
tödlich verlaufene Schwindsucht löste bei Stevens eine spirituelle Reise aus.
Sie führte ihn über den Umweg einer Karriere als Pop-Poet, über ein ausschweifendes
Hippie-Leben, materiellen Luxus, Drogen, Buddhismus, Numerologie, Astrologie und
Yoga schließlich zum Islam.
"Ich fand es toll, ein Pop-Star zu sein. Ich hatte einen
Berg erklommen. Doch ich wusste damals schon, dass der Gipfel, den ich in meinem
Leben erreichen wollte, anderer Art war", sagt er. Beim Schwimmen vor Malibu
war der Sänger abgedriftet. Mutterseelenallein im Pazifik rief er aus: "Gott
rette mich, und ich will dir huldigen." Im selben Moment warf eine Welle
den Musiker ans Ufer zurück.
Die eigentliche Bekehrung kam jedoch erst zwei Jahre später
nach intensiver Lektüre des Korans und einer Reise nach Jerusalem. Im Dezember
1977 änderte der Sänger seinen Namen, nannte sich fortan Yusuf Islam, legte
westliche Kleidung ab und ließ sich einen Bart wachsen. "Ich bin in einem
christlichen Heim aufgewachsen, habe aber keinen Kontakt mit Gott gefühlt. Die
Statuen in den Kirchen waren aus Stein. Dann wurde ich erfolgreich, aber nach
einem Jahr musste ich ins Krankenhaus. Später habe ich begriffen, dass die Schwierigkeiten
ein Segen waren, den Allah mir geschickt hat. Ich hatte Ruhm und Geld. Doch egal
wie verbissen ich nach dem rechten Weg gesucht habe, ich habe ihn erst durch den
Koran gefunden", sagt Yusuf Islam.
Der geläuterte Pop-Star veräußerte seinen gesamten weltlichen
Besitz, wurde Koran-Lehrer, gründete Schulen und eine wohltätige Stiftung. Der
Sänger, mit dem sich in den frühen 70er-Jahren eine ganze Generation identifizierte,
ging 1979 eine arrangierte islamische Ehe ein und hat mittlerweile fünf Kinder.
"Die Liebe", gibt er zu, "kam erst nach der Eheschließung."
Der 54-Jährige führt ein für westliche Begriffe rigides Leben. Stevens arbeitet
als Religionslehrer an seiner Koranschule im Norden Londons und lebt vom Verkauf
religiöser Bücher, die er über eine Website und eine Produktionsfirma, Mountain
of Light, abwickelt. 1995 kam eine Sprechgesang-CD - In Praise of the Last
Prophet - auf den Markt.
Manche Positionen des ehemaligen Stars sind für liberale Westler
schwer zu akzeptieren. Homosexualität etwa hält er für Sünde. Vollkommen isolierte
er sich mit seiner Zustimmung zum Todesurteil gegen Salman Rushdie. Sein Abscheu
vor den Terroranschlägen von New York und Washington dagegen ist klar. Vor dem
Freitagsgebet wurde Stevens jetzt mit anderen muslimischen Führern vom britischen
Innenminister David Blunkett empfangen. (SAD)