Stichwort- oder Themen-Suche in 232 verschiedenen Online-Seiten dieser Website: 
Die Geschichte hinter der Musik
Cat auf dem heißen Blechdach

Als ich ihn zum ersten mal traf, hockte er in einer Münchner Hotelbar, auf einen Hirtenstab gestützt. Zu seinen Füßen in Nerz gehüllte Girls, die keinerlei Ähnlichkeit mit den branchenüblichen, nachtvögelartigen Groupies hatten. Am anderen Tag das Interview. Beflissene Submanager geleiten mich durch Hotelflure, klopten dezent an des Meisters Tür. Ich darf eintreten. Cat hockt wie eine gezähmte Wildkatze auf der Couch. Aus Lautsprechern tönt impressionistische Musik, die dahinfließt ohne Ende, die sich gehen läßt, die Gefühle trägt... Debussy, Ravel... darauf stehe ich.
Cat wirkt auf mich wie eine streunende Katze, die sich auskennt im Irrgarten des Popgeschäfts. "Stimmt" sagt er, "ich bin unstet und flüchtig, ein heiß-kalt-Typ, a Ying-Yang-Man. Ich muß immer was zu tun haben. Vater Zypriot, Mutter Schwedin - kannst Dir ja vorstellen, was dabei rausgekommen ist". Ein Märchenerzähler vom Mittelmeer und die Verstandeskühle des Nordens. Mit 17 Jahren wurde er entdeckt. Als sein erster Song "I love my Dog" über den Äther klang, raste Cat mit dem Kofferradio durch die Straßen, hielt jedem das Gerät ans Ohr und schrie: "Das ist mein Song, das bin ich !" Aber das Delirium der Popwelt hat ihn schneller geschafft, als er wahrhaben wollte. Trotz weiterer Hits wie "Here comes my Baby", "I´ve found a Love" und "I´m gonna get me a Gun" begann er die Branche bald zu hassen. Er begann zu trinken. Eine gemeinsame Tournee mit Jimi Hendrix, den Walker Brothers und Engelbert Humperdinck war gleichzeitig das erste Ende des Cat Stevens.
Er wurde schwer krank. Im September 1968 lautete die Diagnose des Arztes: Offene Tuberkulose. Ein Jahr weg aus der Öffentlichkeit. In einem Sanatorium in der Grafschaft Surrey begann der zweite große Reifungsprozeß, begann die Lust an der Einsamkeit, der Dialog mit sich selbst, das Anderssein als die andern.

Die LP´s nach der Krankheit haben der Rockmusik eine neue Dimension der Poesie gegeben. Cat Stevens war von einer fröhlichen Gelassenheit, die schon etwas märchenhaftes an sich hatte. Selbst sexuelle Bezüge kleidete er in züchtige Symbole. Die Covers seiner LP´s entwirft er selber. Ihre zumeist nasenlosen Knollenfiguren stehen im krassen Gegensatz zu den Texten, die sie illustrieren sollen. "Willst wohl sagen, das sei schizophren ? Ich liege ständig im Clinch mit den Erfolgsklischees der Branche." Das Sonnige in seinem Gemüt hat Krallen. In seiner Umgebung geht es eisig zu. Manager verharren ehrerbietig im Vorzimmer. Cat Stevens verbreitet stets Hochspannung um sich herum. Wenn man ihn fragt, wo er wohne, antwortet er patzig "Nirgendwo". Er soll ein Apartment in Rio haben. Sein Haus in Fulham, London, darf man nicht erwähnen. Sein Management sagt: Er hält sich viel in Amerika auf. Gelegentlich wird er im Schweizer Kanton Graubünden, in der Nähe von Davos, gesichtet. Irgendwo fest wohnen, für Cat undenkbar. Aus diesem Grund wird wohl seine neue LP zur Zeit rund um den halben Erdball produziert, in Montreal, New York, Kopenhagen, Memphis, Los Angeles, London, immer auf der Suche nach dem perfekten Sound.

Frederik Heyn

Text und Foto aus der Zeitschrift "Der Musik Joker"
. :  © 29.09.1999 — 06.02.2012, Layout- und Content-Design: Harry Schmieder, Global-Design.at e.U.    ¦   W3C HTML 4.01    ¦   W3C CSS    ¦   W3C tabellenfrei    ¦   nach oben   : .