Als
ich ihn zum ersten mal traf, hockte er in einer Münchner Hotelbar, auf einen
Hirtenstab gestützt. Zu seinen Füßen in Nerz gehüllte Girls,
die keinerlei Ähnlichkeit mit den branchenüblichen, nachtvögelartigen
Groupies hatten. Am anderen Tag das Interview. Beflissene Submanager geleiten
mich durch Hotelflure, klopten dezent an des Meisters Tür. Ich darf eintreten.
Cat hockt wie eine gezähmte Wildkatze auf der Couch. Aus Lautsprechern tönt
impressionistische Musik, die dahinfließt ohne Ende, die sich gehen läßt,
die Gefühle trägt... Debussy, Ravel... darauf stehe ich.
Cat wirkt auf mich wie eine streunende Katze, die sich auskennt im Irrgarten
des Popgeschäfts. "Stimmt" sagt er, "ich bin unstet und
flüchtig,
ein heiß-kalt-Typ, a Ying-Yang-Man. Ich muß immer was zu tun
haben. Vater Zypriot, Mutter Schwedin - kannst Dir ja vorstellen, was dabei rausgekommen
ist". Ein Märchenerzähler vom Mittelmeer und die Verstandeskühle
des Nordens. Mit 17 Jahren wurde er entdeckt. Als sein erster Song "I
love my Dog" über den Äther klang, raste Cat mit dem Kofferradio
durch die Straßen, hielt jedem das Gerät ans Ohr und schrie: "Das
ist mein Song, das bin ich !" Aber das Delirium der Popwelt hat ihn schneller
geschafft, als er wahrhaben wollte. Trotz weiterer Hits wie "Here comes
my Baby", "I´ve found a Love" und "I´m gonna
get me a Gun" begann er die Branche bald zu hassen. Er begann zu trinken.
Eine gemeinsame Tournee mit Jimi Hendrix, den Walker Brothers und Engelbert
Humperdinck war gleichzeitig das erste Ende des Cat Stevens.
Er wurde schwer krank. Im September 1968 lautete die Diagnose des Arztes: Offene
Tuberkulose. Ein Jahr weg aus der Öffentlichkeit. In einem Sanatorium in
der Grafschaft Surrey begann der zweite große Reifungsprozeß, begann
die Lust an der Einsamkeit, der Dialog mit sich selbst, das Anderssein als die
andern.
Die
LP´s nach der Krankheit haben der Rockmusik eine neue Dimension der Poesie
gegeben. Cat Stevens war von einer fröhlichen Gelassenheit, die schon etwas
märchenhaftes an sich hatte. Selbst sexuelle Bezüge kleidete er in züchtige
Symbole. Die Covers seiner LP´s entwirft er selber. Ihre zumeist nasenlosen
Knollenfiguren stehen im krassen Gegensatz zu den Texten, die sie illustrieren
sollen. "Willst wohl sagen, das sei schizophren ? Ich liege ständig
im Clinch mit den Erfolgsklischees der Branche." Das Sonnige in seinem Gemüt
hat Krallen. In seiner Umgebung geht es eisig zu. Manager verharren ehrerbietig
im Vorzimmer. Cat Stevens verbreitet stets Hochspannung um sich herum. Wenn man
ihn fragt, wo er wohne, antwortet er patzig "Nirgendwo". Er soll ein
Apartment in Rio haben. Sein Haus in Fulham, London, darf man nicht erwähnen.
Sein Management sagt: Er hält sich viel in Amerika auf. Gelegentlich wird
er im Schweizer Kanton Graubünden, in der Nähe von Davos, gesichtet.
Irgendwo fest wohnen, für Cat undenkbar. Aus diesem Grund wird wohl seine
neue LP zur Zeit rund um den halben Erdball produziert, in Montreal, New York,
Kopenhagen, Memphis, Los Angeles, London, immer auf der Suche nach dem perfekten
Sound.
Frederik Heyn
