Hilvarenbeek ist ein kleines Nest im Südwesten Hollands. Eine Post, eine Tankstelle, ein Krämer, eine Kirche und ein paar Häuser, drum herum zwei Windmühlen und Kuhherden. Interessant wird es erst, wenn man den Ort passiert hat. Denn 500 Meter weiter liegt in einem kleinen Wäldchen das Relight Studio. Hier nahmen schon Leute wie Genesis, Black Sabbath und Golden Earring ihre LP´s auf. Und auch an diesem Wochenende hat sich ein berühmter Gast eingemietet: Cat Stevens. Warum ist Cat nach Holland gekommen ? "Nun" erklärt Cat, "ich produziere gerade die erste LP meines Bruders David Gordon. David hat ein Rockmusical geschrieben, so im Stil von Hair und Evita. Im Herbst soll die Platte erscheinen, einen festen Titel hat das Werk aber noch nicht. Wir haben schon in England und Frankreich Teile davon aufgenommen, und auch hier in Hilvarenbeek werden wir noch nicht fertig. Aber ich mag dieses Studio, es ist nicht so kalt und unpersönlich wie viele andere, sondern hat Atmosphäre. Wenn sie nicht stimmt, breche ich sofort die Arbeit ab und wechsele den Aufnahmeort."
Das rote Jo-Jo, mit dem Cat auf dem Cover seiner letzten LP Izitso spielt, war
übrigens nicht nur ein Fotogag. Cat benutzt es tatsächlich, fast pausenlos,
auch während unseres Gesprächs. "Es beruhigt mich", lächelt
er, "für meine Nerven gibt es nichts besseres als dieses kleine Spielzeug."
Cats Nerven sind auch Schuld daran, dass er mit Interviews geizt. "Vor einigen
Monaten war ich ziemlich am Ende. Immer wieder wurden mir die gleichen Fragen
gestellt, immer wieder versuchten irgendwelche Reporter, mich auszuhorchen, um
dann hinterher etwas ganz anderes zu schreiben. Man trifft nur ganz selten jemand,
mit dem man wirklich reden kann - jemanden, der mich versteht. Deshalb überlasse
ich es meiner Plattenfirma, Informationen über mich an die Zeitung weiter
zu verschicken. Ich will damit nichts mehr zu tun haben. Dann schreibe ich einen
Song. Wer ihn hört, weiß dann, wie ich mich fühle und was ich
denke. Es hat nichts damit zu tun, dass ich Starallüren habe oder arrogant
bin. Aber ich kann mich nun mal nicht gut unterhalten und fühle mich unsicher
zwischen den Leuten, die mich ausfragen. Ich kann eben nicht aus meiner Haut !"
Die zweite Seite der Izitso-LP beginnt mit dem Song "I never wanted to be
a Star". Meint Cat sich selbst damit ? "ja" gibt Cat zu und lächelt
scheu. "Es ist ein autobiographisches Lied. Der Text und die Musik drücken
meine ganz persönlichen Gefühle aus und beschreiben mein Leben als Popstar.
Ich glaube, dass ich mich jetzt nach langem Suchen und Denken endlich selbst gefunden
habe. Jeder Mensch erreicht einmal solch einen Punkt. Dann denkt man an früher
und fragt sich, ob das, was man getan hat, auch wirklich etwas taugt. Ich habe
über dieses Thema noch zwei andere Songs gemacht, "Old Schoolyard"
und "Child for a Day" ."
Bisher kannte man Cat Stevens nur als Sänger. Auf Izitso aber tauchen zum
ersten mal auch zwei Instrumental-Stücke auf. Warum ? Cat läßt
sein Jo-Jo auf und ab schnellen.
Bild links: "Ich will mit meiner Musik soviel ausdrücken wie mit Worten." Bild rechts: Das rote Jo-Jo vom "Izitso"-Cover war kein Gag: Cat spielt tatsächlich stundenlang damit.
"ich
wollte mich warm spielen, saß nur so rum und zupfte meine Gitarre. Hinterher
stellte ich fest, dass der Tontechniker schon das Band gestartet und meine kleine
Improvisation aufgenommen hatte. Und weil mir anschließend beim Anhören
die Atmosphäre des Songs sehr gut gefiel, beschloss ich, das ganze noch einmal
richtig aufzunehmen. Den Songtitel steuerte übrigens mein Bruder David bei,
dessen erste LP ich ja jetzt produziere. Der andere Song, Kypros, ist viel seriöser.
Er ist ein musikalisches Gemälde der Insel Zypern, auf der mein Vater geboren
wurde. Die Musik ist schön und traurig, so wie die Insel. Ich will in Zukunft
nur noch solche Lieder schreiben. Mein Ziel ist es, mit meiner Musik genauso viel
auszudrücken wie mit Worten." Mit Musik Gefühle wecken, das ist
es, was der selbst so sensible und gefühlsabhängige Cat bei seinen Fans
erreichen will. Eine Parallele zu sich selbst sieht Cat Stevens in dem holländischen
Maler Hieronymus Bosch, der gegen Ende des 15. Jahrhunderts phantastische Bilder
von Paradiesen und Höllen schuf. "Bosch fasziniert mich" bekennt
Cat. Man weiß so gut wie nichts von ihm, weder seinen richtigen Namen, noch
seinen Geburtstag und -ort, noch wie er wirklich lebte. Alles, was man von ihm
hat, sind seine rauschhaften Bilder, die wie keine anderen Ängste, Phantasien,
Träume und Gefühle ausdrücken. Und wer diese Bilder sieht, fragt
sich automatisch, was für ein Mensch dieser Maler nun gewesen sein kann.
Weil man nichts von ihm weiß, ist man allein darauf angewiesen, was seine
Bilder über ihn aussagen. Jeder Betrachter hat eine andere Vorstellung von
Bosch. Ich würde mir wünschen, daß es bei mir auch so ist: Die
Fans haben nur meine Platten, von mir selbst muss sich jeder sein eigenes Bild
machen."
Wird Cat in der nächsten Zeit wieder Konzerte geben ? "Nein. Ich bin
im Moment noch nicht wieder soweit. Bei meiner letzten Tournee 1975 war ich
nach kurzer Zeit schon so erschöpft und meine Nerven schon so strapaziert,
daß
ich nach den Konzerten erschöpft ins Bett gehen mußte. Erst wenn ich
mich wieder völlig entspannt habe und mich stark genug fühle, werde
ich wieder auftreten. Wenn ich jetzt mit der Produktion meines Bruders fertig
bin, fliege ich zurück nach Brasilien, wo ich mir ein Haus gekauft und
in den letzten Monaten gelebt habe. Dort habe ich dann genügend Zeit,
um ungestört
Songs für meine nächste LP zu komponieren."