Stichwort- oder Themen-Suche in 232 verschiedenen Online-Seiten dieser Website: 
Die Geschichte hinter der Musik
Er gehört zu den "schwierigsten" Popstars, die es gibt. Show-Rummel verabscheut er, von Managern und Plattenfirma läßt er sich keine Vorschriften machen. Und der Presse gegenüber bleibt er meist stumm: "Alles, was ich zu sagen habe, sage ich mit meiner Musik !" POPFOTO schaffte es trotzdem. In Holland gab uns Cat Stevens sein erstes Interview seit mehr als einem Jahr.

CAT STEVENS:
"ENDLICH HABE ICH MICH SELBST GEFUNDEN"

Hilvarenbeek ist ein kleines Nest im Südwesten Hollands. Eine Post, eine Tankstelle, ein Krämer, eine Kirche und ein paar Häuser, drum herum zwei Windmühlen und Kuhherden. Interessant wird es erst, wenn man den Ort passiert hat. Denn 500 Meter weiter liegt in einem kleinen Wäldchen das Relight Studio. Hier nahmen schon Leute wie Genesis, Black Sabbath und Golden Earring ihre LP´s auf. Und auch an diesem Wochenende hat sich ein berühmter Gast eingemietet: Cat Stevens. Warum ist Cat nach Holland gekommen ? "Nun" erklärt Cat, "ich produziere gerade die erste LP meines Bruders David Gordon. David hat ein Rockmusical geschrieben, so im Stil von Hair und Evita. Im Herbst soll die Platte erscheinen, einen festen Titel hat das Werk aber noch nicht. Wir haben schon in England und Frankreich Teile davon aufgenommen, und auch hier in Hilvarenbeek werden wir noch nicht fertig. Aber ich mag dieses Studio, es ist nicht so kalt und unpersönlich wie viele andere, sondern hat Atmosphäre. Wenn sie nicht stimmt, breche ich sofort die Arbeit ab und wechsele den Aufnahmeort."

Cat spricht nur selten über sich selbst: "Von mir muß sich jeder sein eigenes Bild machen !"

Das rote Jo-Jo, mit dem Cat auf dem Cover seiner letzten LP Izitso spielt, war übrigens nicht nur ein Fotogag. Cat benutzt es tatsächlich, fast pausenlos, auch während unseres Gesprächs. "Es beruhigt mich", lächelt er, "für meine Nerven gibt es nichts besseres als dieses kleine Spielzeug."
Cats Nerven sind auch Schuld daran, dass er mit Interviews geizt. "Vor einigen Monaten war ich ziemlich am Ende. Immer wieder wurden mir die gleichen Fragen gestellt, immer wieder versuchten irgendwelche Reporter, mich auszuhorchen, um dann hinterher etwas ganz anderes zu schreiben. Man trifft nur ganz selten jemand, mit dem man wirklich reden kann - jemanden, der mich versteht. Deshalb überlasse ich es meiner Plattenfirma, Informationen über mich an die Zeitung weiter zu verschicken. Ich will damit nichts mehr zu tun haben. Dann schreibe ich einen Song. Wer ihn hört, weiß dann, wie ich mich fühle und was ich denke. Es hat nichts damit zu tun, dass ich Starallüren habe oder arrogant bin. Aber ich kann mich nun mal nicht gut unterhalten und fühle mich unsicher zwischen den Leuten, die mich ausfragen. Ich kann eben nicht aus meiner Haut !"
Die zweite Seite der Izitso-LP beginnt mit dem Song "I never wanted to be a Star". Meint Cat sich selbst damit ? "ja" gibt Cat zu und lächelt scheu. "Es ist ein autobiographisches Lied. Der Text und die Musik drücken meine ganz persönlichen Gefühle aus und beschreiben mein Leben als Popstar. Ich glaube, dass ich mich jetzt nach langem Suchen und Denken endlich selbst gefunden habe. Jeder Mensch erreicht einmal solch einen Punkt. Dann denkt man an früher und fragt sich, ob das, was man getan hat, auch wirklich etwas taugt. Ich habe über dieses Thema noch zwei andere Songs gemacht, "Old Schoolyard" und "Child for a Day" ."
Bisher kannte man Cat Stevens nur als Sänger. Auf Izitso aber tauchen zum ersten mal auch zwei Instrumental-Stücke auf. Warum ? Cat läßt sein Jo-Jo auf und ab schnellen.

Bild links: "Ich will mit meiner Musik soviel ausdrücken wie mit Worten." Bild rechts: Das rote Jo-Jo vom "Izitso"-Cover war kein Gag: Cat spielt tatsächlich stundenlang damit.

"ich wollte mich warm spielen, saß nur so rum und zupfte meine Gitarre. Hinterher stellte ich fest, dass der Tontechniker schon das Band gestartet und meine kleine Improvisation aufgenommen hatte. Und weil mir anschließend beim Anhören die Atmosphäre des Songs sehr gut gefiel, beschloss ich, das ganze noch einmal richtig aufzunehmen. Den Songtitel steuerte übrigens mein Bruder David bei, dessen erste LP ich ja jetzt produziere. Der andere Song, Kypros, ist viel seriöser. Er ist ein musikalisches Gemälde der Insel Zypern, auf der mein Vater geboren wurde. Die Musik ist schön und traurig, so wie die Insel. Ich will in Zukunft nur noch solche Lieder schreiben. Mein Ziel ist es, mit meiner Musik genauso viel auszudrücken wie mit Worten." Mit Musik Gefühle wecken, das ist es, was der selbst so sensible und gefühlsabhängige Cat bei seinen Fans erreichen will. Eine Parallele zu sich selbst sieht Cat Stevens in dem holländischen Maler Hieronymus Bosch, der gegen Ende des 15. Jahrhunderts phantastische Bilder von Paradiesen und Höllen schuf. "Bosch fasziniert mich" bekennt Cat. Man weiß so gut wie nichts von ihm, weder seinen richtigen Namen, noch seinen Geburtstag und -ort, noch wie er wirklich lebte. Alles, was man von ihm hat, sind seine rauschhaften Bilder, die wie keine anderen Ängste, Phantasien, Träume und Gefühle ausdrücken. Und wer diese Bilder sieht, fragt sich automatisch, was für ein Mensch dieser Maler nun gewesen sein kann. Weil man nichts von ihm weiß, ist man allein darauf angewiesen, was seine Bilder über ihn aussagen. Jeder Betrachter hat eine andere Vorstellung von Bosch. Ich würde mir wünschen, daß es bei mir auch so ist: Die Fans haben nur meine Platten, von mir selbst muss sich jeder sein eigenes Bild machen."
Wird Cat in der nächsten Zeit wieder Konzerte geben ? "Nein. Ich bin im Moment noch nicht wieder soweit. Bei meiner letzten Tournee 1975 war ich nach kurzer Zeit schon so erschöpft und meine Nerven schon so strapaziert, daß ich nach den Konzerten erschöpft ins Bett gehen mußte. Erst wenn ich mich wieder völlig entspannt habe und mich stark genug fühle, werde ich wieder auftreten. Wenn ich jetzt mit der Produktion meines Bruders fertig bin, fliege ich zurück nach Brasilien, wo ich mir ein Haus gekauft und in den letzten Monaten gelebt habe. Dort habe ich dann genügend Zeit, um ungestört Songs für meine nächste LP zu komponieren."

Text und Fotos aus der Zeitschrift "POPFOTO" aus dem Jahre 1977
. :  © 29.09.1999 — 06.02.2012, Layout- und Content-Design: Harry Schmieder, Global-Design.at e.U.    ¦   W3C HTML 4.01    ¦   W3C CSS    ¦   W3C tabellenfrei    ¦   nach oben   : .