24 Jahre alt, braune Augen, schwarze Haare, 58 Kilo, 1,85 Meter - und allein. Richtiger Name: Steve Adams Georgiou, in London am 21.7.1948 geboren. Kunststudent. Vater Stavros und Mutter Ingrid wollen aus ihm einen Maler machen.
"Teaser and the Firecat"
heißt Cat Stevens erstes Kinderbuch in elf Sprachen.
Er hat die Illustrationen darin selbst gezeichnet und die Texte verfasst.
Die dunkelbraunen Augen halb geschlossen, in den schmalen Händen eine akustische Gitarre, auf der er leise spielt - so sitzt Cat Stevens am offenen Fenster seiner Wohnung im Londoner Stadtteil Fulham. Sanft spielt die Märzsonne in seinem schwarzen Haar, im Vollbart.
Irgendwo in der Vierzimmerwohnung schnurrt leise das Telefon. Cat summt eine Melodie, als wolle er damit einen ungebetenen Gast zum Schweigen bringen. Daß ich da bin, hat er freundlich zur Kenntnis genommen. Mehr nicht. Solange ich keine Fragen stelle, bin ich ihm nicht lästig. Cat Stevens will seine Ruhe haben. Die Ruhe, die er braucht, die er sich mühsam geschaffen hat. Cat Stevens will allein bleiben mit sich und seiner Welt, in die er keinen hinein läßt. Er ist misstrauisch. Ein versteckter Wolf, der die Welt und ihren Rummel kennt, sich vor ihr fürchtet. Zu oft wurde er von ihr reingelegt, zum erstenmal 1966.
Damals lebte Cat Stevens in der New Oxford Street. Sein Vater, ein Grieche, und seine Mutter, eine Schwedin, besaßen dort ein Restaurant. Tagsüber besuchte Cat Stevens oder Steve Adams Georgiou (wie er richtig heißt) die Kunstschule und studierte Malerei. Seine Mutter wollte das so. Doch abends spielte Cat Gitarre, sang selbstkomponierte Lieder. Bis heute hat er nie ein Lied gesungen, das nicht von ihm stammte.
Er nahm seine Platte "I love my Dog" auf. Sie wurde ein Hit. Und mit seiner zweiten Single "Matthew and Son" gelang ihm der erste Welthit. Er bekam eine Goldene und nahm 1967 seine erste LP auf.
Damals lernte Cat Stevens, was es bedeutet, ein Star zu sein. So sehr er sich gegen den Rummel wehrte, man glaubte ihm die ehrliche Absicht nicht, hielt das alles für eine Masche. Cat Stevens wurde krank. Ein Jahr lang musste er wegen einer Tuberkulose ins Krankenhaus und Sanatorium.
In dieser Zeit komponierte er Lieder, die Paul und Barry Ryan, die Tremeloes, Peter und Gordon, Lulu und Manfred Mann sangen. Jeder dieser Songs wurde zum Hit. Aber die schönsten Kompositionen nahm Cat Stevens selber auf - 1971. Bevor er jedoch ins Tonstudio ging, stellte er seine Bedingungen: Vor allem wolle er keinen Zirkus um sich haben. Einsam in seiner Wohnung, allein im Tonstudio, allein auf der Bühne - nur mit sich und seiner Gitarre wollte Cat Stevens sein.
Der Wunsch wurde ihm erfüllt. Jene LP, die 1971 entstand, war "Mona Bone Jakon". Darauf sang Cat Stevens Lieder voller Trauer; melancholische, sanfte Songs über Mädchen, von denen er träumte, denen er aber nicht zu sagen wagte, wie sehr er sie liebte. Auf "Mona Bone Jakon" war auch der Titel "Lady D´ Arbanville" - die Geschichte einer hoffnungslosen Liebe. Die Platte wurde Cat Stevens´ erster Hit nach seiner langen Krankheit. Seitdem kamen "Teaser and the Firecat", "Tea for the Tillerman" und als jüngste LP Ende vergangenen Jahres "Catch Bull at Four". Für alle Platten zeichnete Cat Stevens selbst die Hülle. Und für alle bekam er Goldene Schallplatten.
Der gefeierte Cat Stevens ist ein einsamer Star, wie er es gewollt hat. Selten lächelt er, und wenn er seine wehmütig geschwungenen Lippen öffnet, dann meistens nur, um zu singen. Inzwischen hat der sensible Cat auch ein Kinderbuch gezeichnet, die Geschichte des Buben Teaser und seiner Katze Firecat. Die beiden sehen, wie der Mond auf ein Haus fällt. Als sie den Mond befreien wollen, gleitet er in einen Fluss. Von dort erst gelingt es Teaser und Firecat mit Hilfe einiger Eulen, den Mond wieder an den Sternenhimmel zu bringen.
Ein Märchen für Kinder - wie die Texte seiner Lieder, eine romantische Geschichte, ein Traum. Denn das sind auch seine Lieder: Träume, Märchen, Geschichten, die er mit leiser, etwas brüchiger Stimme singt. Wie seine Welt aussieht, beschreibt er in seinen Liedern. Den Schlüssel dazu hat Cat Stevens versteckt. Wer ihn finden will, muß zuhören, darf nicht fragen.
