Stichwort- oder Themen-Suche in 232 verschiedenen Online-Seiten dieser Website: 
Die Geschichte hinter der Musik

Cat Stevens gehört zu den Musikern, die gleich den "Troubadouren" und "Minstrels" vergangener Zeiten monatelang oder gar für Jahre verschwunden sind und dann urplötzlich wieder auftauchen. Bob Dylan gehört zu ihnen, sicher auch Paul Simon und natürlich Cat (Steve) Stevens...
Groß war also die Resonanz, als bekannt wurde: Cat ist wieder da ! Nach viermonatiger Arbeit an seinem neuen Album "The Buddha and the Chocolatebox" gab es einige Ankündigungen für Konzerte in England, es gab einige Dementi von Cat´s Manager, aber schließlich war es soweit: vor wenigen Wochen trat Cat Stevens im alten Londoner Drury Lane Theatre auf. ME war dabei:

Ich wußte schon vorher, daß ein Cat Stevens- Konzert in London anders sein würde als ein Pop- konzert in Deutschland. Zumindest entsteht durch die"plüschige" Rokoko-Atmosphäre des "Drury Lane" immer eine etwas feierliche Stimmung; ein bisschen so wie bei einem "klassischen" Liederabend. Dementsprechend in Schale geworfen hatten sich auch die Leute an diesem Abend. Man konnte dunkle Anzüge sehen und lange Abendkleider. "Wieso", fragte ich mich, "zieht man die Sache so spießig auf ?" Keine Ahnung. Ein Blick auf die Bühne zeigte jedenfalls Erfreulicheres; zwischen einer Unzahl üblicher und exotischer Instrumente hatte man schöne japanische Paravents aufgestellt. Aus allerlei Töpfen wucherten exotische Pflanzen. Zen- Buddhismus und Südsee- Romantik spielen also immer noch eine große Rolle bei Steve. Man konnte gespannt sein...

DIE MÄDCHEN SEUFZTEN

Die Musiker ("fat man" Jean Roussel, Keyboards, Alun Davis, Gitarre, Gerry Conway Drums, Bruce Lynch, Bass, dessen Frau Suzanne und ein anderes Mädchen, Backing Vocals) nehmen ihre Plätze ein, Cat schnappt sich eine Gitarre und los gehts mit "Moonshadow". Das Lied ist wohlbekannt, man applaudiert höflich. Es folgen ein paar Songs vom "Teaser" und vom "Catch Bull at Four"-Album. Das Publikum bleibt zurückhaltend... Cat macht seine Ankündigungen, er tut es in etwas verkrampfter Entertainer-Manier. DAS hatte ich nicht erwartet ! Aber tatsächlich, es ist der richtige Ton für dieses Publikum, - er lacht folgsam bei jedem Joke. Irgendwie fühle ich mich deplaciert, - etwa so wie bei einem, na sagen wir mal - Knef-Konzert. Aber es gibt ja immer wieder viel, viel Musik, und da ist Cat sich gleich geblieben: introvertiert, poetisch, liebevoll - die nervöse Aufgekratztheit, die er zwischen den Nummern zeigt, fällt völlig von ihm ab. Auch seine neuen Songs wie "Oh very young" (inzwischen ein Top-Hit) sprechen noch immer direkt an. Zarte Balladen wie "How can I tell you" oder "Sad Lisa" lassen die zahlreich erschienenen Mädchen hörbar aufseufzen. Cat wechselt viel zwischen Piano und Gitarre, als er letztere (übrigens ein schönes Instrument mit gewölbtem Resonanzkörper) wieder zur Hand nimmt,erklingt "Lady D´ Arbanville", ein Song, auf den alle gewartet haben. Live hört es sich ganz anders an als die Studiofassung. Es ist durchsetzt mit "Foreigner-Suite"-Elementen, ist lauter und hat mehr Drive. Es ist offensichtlich: Steve hat sich verändert, seine Musik ist um Dimensionen reicher geworden. Er stellt einen weiteren Song vom "Buddha"-Album vor: "Music": hektische Gesangspartien, glashartes Klavier und viel "Backing Vocals". Über Linda Lewis, die Cat anschließend vorstellte, nur soviel: Sie ist ein nettes, milchkaffeefarbenes Mädchen mit einer außergewöhnlich variablen Stimme. Ihre "Reggea-Songs" und andere musikalischen Scherze kamen allerdings beim Publikum nicht besonders an. Ist es ihr "Foreigner Appeal", ihre exotische Erscheinung, die Cat veranlassten, Linda Lewis mit ins Programm aufzunehmen ? Wer weiß...

PEACE TRAIN IST ABGEFAHREN

Nach der Pause ist er jedenfalls wieder da, setzt sich an den Flügel und bringt einen Satz aus der "Foreigner Suite". Es folgt "The Boy with the Moon and Star on his Head", ein Lied aus der "Moonshadow" -Zeit. Er hat es vor Jahren in Spanien komponiert, sagt Steve. Vielleicht ist es gerade das, was Cat so sympathisch, aber auch schwierig und unzugänglich macht. All seine Lieder haben etwas sehr Privates und Autobiographisches. Er singt sie mehr für sich als für andere, wahrscheinlich sind deshalb seine Auftritte so selten. Aber an diesem Abend ist er großartig. Cat wird zum Ende des Konzerts hin immer relaxter, und auch das Publikum taut während des etwa zweistündigen Gigs immer mehr auf. Am besten kommen die älteren Songs an: "Where do the Children play ?", "Peace Train" und "Father and Son". Viel zu schnell ist die letzte Nummer gelaufen, die Leute stehen auf, rufen "More", Cat kommt zurück und als Zugabe gibt es "Later" , wieder aus der "Foreigner Suite". Irgendwie ist dieses vorletzte Album im Programm überrepräsentiert. Es scheint so, als ob Steve klar machen will "Ich spiele zwar noch meine alten Lieder, aber ich habe mich weiterentwickelt. Begreift das". - Das muss man wohl akzeptieren.

NO INTERVIEW

Nach dem Konzert hat die Plattenfirma noch einen Empfang arrangiert. Steve hat sein Erscheinen nach langen Verhandlungen zugesichert. "Er ist sehr scheu, sehr schwierig", höre ich von allen Seiten. Aber trotzdem: ein paar Fragen muss ich ihm stellen. Es ist nicht leicht, ihn unter den etwa 150 Leuten wiederzufinden. Alle halten Sektgläser in der Hand und machen in "Small-Talk". Als ich dann neben ihm stehe und um ein Interview bitte, lautet die Antwort "No". Das hatte ich befürchtet. Ich frage aber trotzdem "Wieso nicht ?" Cat: "Weisst Du, ich spreche nicht mit Presse-Leuten. Ich drücke alles, was ich sagen will, mit meiner Musik aus. Es gibt nichts zu bereden". Er sagt noch, dass er es fantastisch findet, wieder vor Publikum zu spielen. Mehr war nicht raus zu kriegen. Er nimmt also das "Foreigner-Suite" Motto sehr wörtlich. "There are no Words, I could use ´cos the meaning still leaves for you to choose...". Mit anderen Worten: "Kein Kommentar". O.K. Steve, ich habe verstanden.

Text und Fotos aus der Zeitschrift "Musik Express", Nr. 6 des Jahres 1974
. :  © 29.09.1999 — 07.09.2010, Layout- und Content-Design: Harry Schmieder, Global-Design.at e.U.    ¦   W3C HTML 4.01    ¦   W3C CSS    ¦   W3C tabellenfrei    ¦   nach oben   : .