Seine Balladen machten ihn weltberühmt. Er schreibt einfache, lyrische Liebeslieder, ist ein hervorragender Sänger und Instrumentalist. Auch die Illustrationen auf den Plattentaschen seiner LP´s stammen von ihm: Cat Stevens, Liedermacher und Sänger aus England. Geboren 1948 in London als Sohn eines Gastwirts, wurde er frühzeitig mit der Gegenwart des kapitalistischen Alltags konfrontiert: Er spielte auf schmutzigen Hinterhöfen, sah im Fernsehen die harten Western und Krimi-Thriller, die in seiner Generation das Ansteigen der Jugendkriminalität mit verursachten, und sah jene Ecken in London, wo das Geschäft der Prostitution auf Hochtouren lief. Cat Stevens besuchte eine Schule im Londoner Westend, wo sich bereits seine künstlerische und musikalische Begabung heraus stellte. So begann er ein Studium am "Hammersmith College of Art", um Karikaturist zu werden, bis ihm sein Interesse für Musik wichtiger wurde. Er schloß sich einer Band an und produzierte bereits Mitte der sechziger Jahre eine LP auf eigene Kosten. Doch mit dem Erfolg klappte es noch nicht so recht, bis ein cleverer Manager auf Stevens aufmerksam wurde. Er erkannte die musikalischen Potenzen, die in dem damals siebzehnjährigen steckten, und setzte den riesigen Apparat der Schallplattenindustrie in Bewegung, um sein neues "Produkt" quasi über Nacht publik zu machen. Diesmal klappte es, und Stevens musste einen Hit nach dem anderen produzieren. Niemand fragte ihn mehr, was er denn eigentlich wolle, wenn nur der Umsatz gesichert war und die Kassen klingelten. Sein persönliches Anliegen, ein Album mit einfachen Liedern ohne die bombastischen Arragements und das übliche Heer von Studiomusikern zu produzieren, wurde von der Schallplatten- Industrie ignoriert.
Cat Stevens sagt über diese Zeit: "Ich wollte schlicht gute Musik machen, doch dann wurde es mehr und mehr geschäftsmäßig ausgeschlachtet, schließlich produzierte ich nur noch Hit-Singles. Allein schon der Gedanke an diese Aufnahmesitzungen bereitete mir schlaflose Nächte. Ich hatte Angst, wieder ins Studio zu müssen, um mit ein paar Dutzend unpersönlicher und unverständiger Sessions- Leute zusammenzuarbeiten, die mit einer technisch zwar perfekten, aber vollkommen sterilen Aufnahme meiner Lieder ihr Tagespensum erfüllten..." So war Stevens seinen Managern mehr und mehr ausgeliefert. Sie degradierten ihn vollends zu einer Marionette des Showgeschäfts, deren einzige Funktion darin bestand, das zu tun, was ihnen das meiste Geld einbrachte. Trotz großer Erfolge - die Tremeloes spielten seine Lieder, er unternahm gemeinsame Toruneen mit Jimi Hendrix und den Walker Brothers - verschlechterte sich sein gesundheitlicher Zustand mehr und mehr, bis er eines Tages zusammenbrach und sich aus dem Musikgeschäft zurückziehen mußte. "Ich kippte jeden Tag eine Flasche Schnaps hinunter und war bei jedem Auftritt kaputt - es war grauenhaft. Ich hatte niemanden, mit dem ich reden konnte und war so einsam, daß ich kaum noch weiter konnte". Die Diagnose der Ärzte lautete: Offene Tuberkulose. Erst 18 Monate später, im Frühjahr 1970, erschien eine neue LP mit Cat Stevens. Er hatte inzwischen die Plattenfirma gewechselt und bei Vertragsunterzeichnung die Bedingung geäußert, künftig nur das zu tun, was er persönlich möchte und was seiner musikalisch-künstlerischen Weiterentwicklung dienlich sei.
Praktisch bedeutete das vor allem, Balladen zu singen, einfache Liebeslieder, die er auf der Gitarre entwickelte. Songs wie "Morning has Broken", "Peace Train", "Moonshadow" oder "Lady D´Arbanville" wurden richtungsweisend. Titel, die durch ihre schlichte Interpretation und Begleitung bewiesen, daß sie nicht für spektakuläre Hitparaden gemacht waren. Stevens wollte musikalisch nie stehen bleiben. So nahm er beispielsweise auf Jamaica eine LP auf, die unter Verwendung südamerikanischer Rhythmen und eines Bläser-Arrangements in der ganzseitigen Komposition "Foreigner Suite" völlig neue musikalische Aspekte wiedergab Seine Gedanken formuliert Cat Stevens nicht nur schlechthin als musikalische Emotion, sondern vor allem als Kontaktmöglichkeit, mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. "Musik ist mein Leben", sagt er. Der Erfolg sei eine andere, für ihn zweitrangige Sache. "Erfolg ist hochbegehrt und wird grenzenlos bewundert. Das ganze Leben, unsere Zeit ist am Erfolg orientiert. Das kann einen Menschen sehr verändern. Als ich anfing, Gitarre zu spielen und eigene Songs zu schreiben, war an einen kommerziellen Erfolg noch nicht zu denken - ich spielte nur zu meiner persönlichen Befriedigung. Jetzt werde ich sehr gut dafür bezahlt - aber ich versuche, den ursprünglichen Inhalt meiner Lieder und meine musikalische Identität zu bewahren. Ich habe nur ein Ziel - mich weiterzuentwickeln und zu verbessern !"
Wolfgang Martin
