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Die Geschichte hinter der Musik
CAT STEVENS - Der traurige Poet

Wie schwere, fallende Regentropfen klingen die Tonfolgen der einfachen Gitarre. Die Schwermut eines sterbenden Tages schwingt in der Stimme des Mannes, der kein Lächeln mehr zu kennen scheint: Cat Stevens.
<<Einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts>>, betitelt das französische Magazin <<Best>> den Poeten, Song-Schreiber, Sänger und Arrangeur mit den dunklen, nachdenklichen Augen, die aus geheimnisvoller Tiefe alle Freuden und Leiden eines bewegten Lebens widerspiegeln.

Als zweiter Sohn eines Griechen und einer Schwedin wurde Cat Stevens am 21.7.1948 im Londoner Stadtteil Hammersmith geboren. Seine Eltern waren (und sind noch heute) Besitzer des geschäftigen Restaurants <<The Moulin Rouge>> im Herzen Londons, und so wuchs Cat im mörderischen Asphaltdschungel der hektischen Millionenstadt an der Themse heran. Er ging im Londoner Westend zur Schule und brachte außer in den Fächern Musik und Zeichnen nur mittelmäßige Noten nach Hause. Bildende Kunst war es, die Cat schon immer faszinierte, und es war schon vorauszusehen, dass er nach seiner Schulentlassung ein Kunststudium an dem Hammersmith College of Art and Building beginnen würde. Er wollte Karikaturist werden, doch bald stellte sich heraus, das seinen Zeichnungen nur wenig allgemeiner Beifall gezollt wurde. Mehr Beachtung fand indessen Cat Stevens als Persönlichkeit - ein Geschäftsmann wollte den gutaussehenden Künstlertyp zum Filmstar machen. Doch dann hörte Mike Hurst, Produzent der Schallplattenfirma Decca, einige Probeaufnahmen mit den folk-orientierten Liedern, die Cat schon während seiner Studienzeit aufgezeichnet hatte. Mr. Hurst war begeistert und bot dem siebzehnjährigen sofort einen Plattenvertrag an. Auch Cat war begeistert und unterschrieb. Das war die entscheidende Wende in seinem Leben. Schon wenige Wochen nach dem Vertragsabschluß wurde <<I love my Dog>> aufgenommen. Es folgten die bekannten <<Matthew and Son>> -Tage, und plötzlich arbeitete der ganze gewaltige Apparat der Schallplattengesellschaft für den jungen Nachwuchs-Künstler. Cat Stevens wurde über Nacht ein Star.
Er bekam vorgeschrieben, welche Konzert-Tourneen er durchzuführen, welche Fernseh-Auftritte er zu absolvieren und wem er welche Interviews zu geben hatte. Seine persönlichen Wünsche - wie die Aufnahme einer einfachen Solo-LP ohne überzüchtete Arrangements und das übliche 90 köpfige Orchester - wurden ignoriert.
<<Ich hatte schon lange vor solchen Aufnahmesessions schlaflose Nächte>>, erinnert sich Cat, <<und ich hatte Angst, dass ich wieder in ein Studio müsse, um mit einer Masse unpersönliche und unverständige Session-Leute zusammenzuarbeiten, die mit einer zwar technisch perfekten, aber vollkommen sterilen Aufnahme meiner Musik ihr Tagespensum erfüllen - und am nächsten Tag wieder mit einem anderen spielen.>>
Cat Stevens hatte sich alles ganz anders vorgestellt. Aber das Kleingedruckte machte es ganz deutlich: Er war ein Produkt. Cat war seinem Produzenten und Manager, seiner Schallplattengesellschaft und Argentur machtlos ausgeliefert - ein kleines Etwas im großen Räderwerk der Pop-Maschinerie, eine Gesangs-Marionette des Showgeschäfts. Er begann sich zu ärgern. Bereits zwei Jahre nach seinem vielversprechenden Start trug er sich mit dem Gedanken aufzuhören und wurde schließlich schwer krank. Bei einer ärztlichen Untersuchung im November 68 lautete die Diagnose: TBC (Tuberkulose). Cat packte seinen Plattenspieler, ein paar Alben und eine Menge Bücher zusammen und ging in ein Sanatorium auf dem Land. In den folgenden Monaten war viel Zeit zum Nachdenken, und er begann, in der ländlichen Abgeschiedenheit immer mehr zu sich selbst zu finden. Er befasste sich mit Yoga und Methaphysik und schrieb eine ganze Reihe neuer Stücke. Nach seinem Aufenthalt im Sanatorium versuchte Cat Stevens wieder zu Kräften zu kommen. Er unternahm Auslandsreisen, lebte in der Stille einer natürlichen Umgebung, komponierte viel und fand auf diese Weise nach und nach wieder in seinen gewohnten Lebensrhythmus zurück. Der Vertrag mit Decca war inzwischen abgelaufen und die Schallplattenfirma bot Stevens einen neuen - mit weitaus günstigeren finanziellen Bedingungen. Doch Cat lehnte kategorisch ab. Zufällig traf er kurz darauf Island-Produzent Paul Samwell-Smith, der ihn mit Chris Blackwell, dem Direktor des jungen Unternehmens, zusammenbrachte. Mr. Blackwell hörte die unzulänglich auf einem Heimtonbandgerät aufgenommenen Lieder - und war sofort bereit, den jungen Musiker in das anspruchsvolle Island-Programm aufzunehmen. Cat Stevens bekam die Möglichkeit, die Studioaufzeichnungen vorzunehmen, wann, mit wem und vor allem - wie er wollte. Das wollte er sich nicht entgehen lassen und unterzeichnete einen neuen Vertrag bei Island. Mit genügend ausgezeichnetem Material ging Cat in ruhiger Gelassenheit zusammen mit Samwell-Smith und einigen von ihm selbst ausgewählten Musikern an die Studioarbeit.

Nahezu 18 Monate nach der Veröffentlichung der letzten Stevens-Decca-Platten kam im Frühjahr 1970 auf dem Island-Label die LP <<Mona Bone Jakon>> heraus. Das Album fand weltweites Echo und auch die Single-Auskoppelung <<Lady D´Arbanville>>. Was die wenigsten übrigens wussten: Diese Dame gibt es wirklich. Cat Stevens ist mit ihr befreundet, und in Andy Warhols Film <<Flesh>> konnte man sie kennenlernen: Patti D´Arbanville, internationale Schauspielerin und Fotomodell. Auch in England, Frankreich, Holland, Schweden und Deutschland kletterte diese Single bis hoch in die Top Twenties. In Paris drehte Stevens zu dieser Zeit eine 35-minütige Fernsehshow, und beim Samstag-Nachmittag-Konzert des Plumpton Jazz Festivals stellte er kurz darauf mit seinem Auftritt alle anderen in den Schatten. Cat - die <<Katze>> - war wieder da !
Mit neuem Selbstvertrauen ging er an die Produktion seines nächsten Albums <<Tea for the Tillerman>>, bei dem er sich nicht nur als ausgezeichneter Komponist, Texter, Arrangeur und Interpret erwies, sondern er übernahm wie schon bereits bei <<Mona Bone Jakon>> auch die Gestaltung der Plattentasche.
<<Tea for the Tillerman>> wurde im Oktober 1970 in England und Europa herausgegeben und erschien wenige Wochen später in Amerika. Ein noch größerer Erfolg als das erste Album !

Dann wagte Cat Stevens einen entscheidenden Schritt: Am Mittwoch, dem 18. November 1970 betrat er zum ersten Mal in seinem Leben eine Konzertbühne in Amerika. Die Bühne stand im New Yorker Fillmore East, dem amerikanischen Pop-Mekka mit dem beinahe anspruchsvollsten Publikum der Welt. Ein Publikum, das nicht Cat Stevens sehen wollte, sondern gekommen war, um eine Stargruppe zu erleben - <<Traffic>>. Und dann stand Cat im Rampenlicht. Er ganz allein. Es war eine fürchterliche Probe für ihn, an die er sich noch heute erinnert. Und die vielen Tausend, die damals zuhörten, erinnern sich noch heute an das zauberhafte Auftreten von Cat Stevens, den sie mit stürmischem Beifall zu drei Zugaben zwangen.
Schon wenige Wochen nach diesem triumphalen Tourneeauftakt standen Menschenschlangen von mehreren hundert Metern vor dem Troubadour in Los Angeles, um noch Karten für einen Abend des einwöchigen Stevens-Gastspiels im Troubadour zu ergattern. Nach unzähligen, von namhaften Kritikern hochgelobten Konzerten, nach erfolgreichen Singles, Rundfunkarbeit, Fernsehauftritten und der Veröffentlichung einer weiteren Langspielplatte <<The Teaser and the Firecat>> im September 1971 gilt Außenseiter Cat Stevens heute als einer der aufrichtigsten und zugleich eigenwilligsten Figuren der gesamten derzeitigen Szene.
Schon immer unterschied sich Cat durch den besonderen Stil seiner Lieder von anderen Sängern - war mit originellen Melodien und ausgefallener Lyrik dem allgemeinen Trend meist weit voraus. In der faszinierend gefühlvollen und ausdrucksstarken Vortragsweise seiner Songs bringt er eine Fülle von Informationen über sich selbst und seine Weltanschauung...

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