Stichwort- oder Themen-Suche in 232 verschiedenen Online-Seiten dieser Website: 
Die Geschichte hinter der Musik
CAT STEVENS:

Der sanfte Rock-Sänger aus England tritt am 21.4. in Frankfurt, am 23.4. in Köln, am 25.4. in Essen, am 27.4. in Bremen, am 29.4. in Berlin und am 30.4. in Ostberlin auf

Der Paradiesvogel liebt Ravel

Als erstes drückt mir Cat Stevens zwei Apfelsinen in die Hand: "Hier, iß das, ist gesund. Stört es dich, wenn ich Ravel spiele ?" Aus zwei riesigen Lautsprecherboxen dröhnt "La Valse". Der 28jährige reist nie ohne Stereoanlage. Warum gerade Ravel ? "Die Musik habe ich zum ersten Mal auf einem Highway in Amerika gehört. Ich bin mit dem Tonband in den nächsten Record-Shop, habe das Girl hinter dem Ladentisch gefragt, von wem das sei. Ravel - hat sie gesagt. Seitdem liebe ich diese Musik. Das ist die Brücke zwischen Klassik und dem, was wir heute machen. Ich ahnte schon immer, daß es solche Musik geben müßte..." Cat Stevens - ein Ravel-Fan. Interviews mit ihm sind wie ein Wechselbad. Er lauert auf Fragen wie eine Katze auf die Maus. Mampft Apfelsinen dabei, nennt sich selbst einen Ying-und-Yäng-Typ, mal heiß, mal kalt, mal high, mal down, und erklärt das so: "Mutter Schwedin, Vater Zypriote, schon als Kind war ich happy." Und warum dann der Eindruck von Traurigkeit, Resignation in seinen Texten ? Daß die Mädchen selten bei ihm bleiben ? "Du hast Recht - meine Lieben sind immer traurig. So passiert das halt, damit muss ich fertig werden." Auch typisch für Cat Stevens, daß zu seiner Truppe nur atypische Typen zählen.

Bei seinem letzten Konzert in München kuschelten sich zu seinen Füßen eigens aus Nordirland herübergejettete Schönheiten in kostbaren Nerzen, ergeben dem Meister lauschend. Gestützt auf einen griechischen Hirtenstab führte Cat Stevens das Wort. Er hält Distanz. Seine Manager stehen ehrfurchtsvoll im Hintergrund. Dieser Mann macht sie frösteln.
Während unseres Interviews diktiert er einer unscheinbaren Sekretärin Geschäftsbriefe. Sie hat verheulte Augen. Dennoch - über allem liegt ein Hauch von unterkühlter britischer Heiterkeit.
Meilensteine in seinem Leben ? "Ja, daß er 1968 auf Leben und Tod krank war", sagt er. "Hör dir den Song "Hurt" an, dann weißt Du alles." Und dann die Reisen durch Südamerika. Seitdem habe ich ein anderes Feeling für Percussion."
Die Frage nach Vorbildern hört er ebenso ungern wie alle anderen Topstars. Aber immerhin: Bob Dylan und Leonard Bernstein. Und die Beatles ? "Sie waren die erste Brücke über diesen gigantischen Fluß, die den Geist von gestern mit dem von morgen verbunden hat. Aber die Beatles von heute... immer noch eine schöne Brücke, aber nicht mehr tragfähig."
So schön poetisch kann man historische Abläufe in der Popmusik beschreiben. Was ihn am meisten im Interview ärgert ? Wenn man ihn nicht fragt, ob er sich als Dur- oder als Moll-Typ fühlt. "Ich bin zwar schizophren. Schau dir nur meine Zeichnungen auf den LP-Covers an. Da zeigt sich eine große Kluft zwischen ihren Aussagen und den Aussagen meiner Texte. Aber meine Einstellung zum Leben ist so, daß ich mich als Dur-Typ fühle." Sprichts, springt auf, schiebt sich das letzte Stück der Apfelsine in den Mund und tanzt zu Ravels "La Valse" um seine Gäste herum. Ein Paradiesvogel unter den Popstars.

Ingo Seiff

Quelle von Text und Fotos unbekannt, veröffentlicht im Jahre 1976
. :  © 29.09.1999 — 06.02.2012, Layout- und Content-Design: Harry Schmieder, Global-Design.at e.U.    ¦   W3C HTML 4.01    ¦   W3C CSS    ¦   W3C tabellenfrei    ¦   nach oben   : .