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Die Geschichte hinter der Musik
Cat Stevens: "Endlich habe ich zu mir selbst gefunden"

ROCKY-Mitarbeiter Bruce Elder staunte nicht schlecht, als er den Ort erfuhr, an dem er Cat Stevens für ein Exklusiv-Interview treffen sollte: Ein Linienflugzeug der British Airways, unterwegs von London nach Kanadas Hauptstadt Ottawa. Noch mehr allerdings verblüffte ihn die radikale Veränderung, die mit dem romantischen Sänger vor sich gegangen ist. Cat Stevens, Millionär und Idol für Songliebhaber in aller Welt, hat sich von Bart und wallendem Haarschopf getrennt. Ob sich auch seine musikalischen Vorstellungen verändert haben, wird die neue Langspielplatte zeigen, die zur Zeit in Kanada entsteht. Cat ist, wie das Interview zeigt, jedenfalls sehr optimistisch.

"Ich möchte auf dem Mond sitzen und die Erde beobachten".

ROCKY: Deine neue LP nimmst Du in Kanada auf. Dieses Interview gibst Du im Flugzeug. Bist Du nicht ein wenig zuviel unterwegs ?
Cat: Kann sein. Flugzeuge scheinen jedenfalls eine meiner bevorzugten Adressen geworden zu sein. Aber ich bin nun mal ein unruhiger Geist.
ROCKY: Wird sich das auch auf die neue LP niederschlagen ?
Cat: Im Gegenteil. Ich glaube, dass es eine sehr stille, melancholische LP wird. Das hängt mit mehreren Dingen zusammen. Zum einen arbeite ich seit langer Zeit wieder mit Paul Samwell-Smith, der ja auch meine großen Erfolge produziert hat. Zum anderen fühle ich mich voller Kraft, ausgeglichen und ich bin voller Ideen.
ROCKY: Welche, zum Beispiel ?
Cat: Paß auf. Früher habe ich mit Musik und Worten gemalt. Jetzt male ich mit Klängen und Musik. Die technischen Möglichkeiten, die man heute hat, um einen gewissen Sound hinzubekommen, regen mich ungeheuer an. Ich weiß also nicht, was bei der neuen LP heraus kommt, aber ich habe ein recht gutes Gefühl.
ROCKY: "Izitso", Deine letzte Platte, wirkte an vielen Stellen, als ob Du außerordentlich gehetzt und unzufrieden wärst.
Cat: Kein Wunder, schließlich habe ich sie in ungefähr zwölf verschiedenen Ländern aufgenommen. In keinem Studio hielt ich es länger als zwei Wochen aus. Die gesamte Produktion hat 5 Monate gedauert.
ROCKY: Reden wir mal über einen bestimmten Song. "I never wanted to be a Popstar" - "Ich wollte niemals ein Popstar sein", singst Du da. Stimmt das ?

Flugzeuge sind meine bevorzugte Adresse geworden.

Cat: Klar. Als ich die Schule verließ, musste ich mich ziemlich beeilen, um in einen Beruf zu kommen, der mir auch Spaß machte. Die Alternative war Vaters Restaurant in London. Ich wollte Zeichner werden und meldete mich schnell bei der Kunstschule in Hammersmith an.
ROCKY: Und wie kommt man von da zur Musik ?
Cat: Das war ganz einfach. Damals machte jedermann Musik, war davon begeistert. Überall wurde gesungen, die meisten Leute spielten ein Instrument. Und plötzlich überwog bei mir das Interesse dafür, obwohl mir Malen und Zeichnen sehr viel Spaß machten.
ROCKY: Die Songs, die damals entstanden, unterscheiden sich sehr von den Liedern, die Du nach Deiner Krankheit gemacht hast.
Cat: Allerdings. Zu Anfang tat ich einfach alles rein, was meiner Meinung nach paßte. Es waren dann auch ziemlich unausgewogene Stücke. Dann aber verfeinerte sich meine Technik. Ich begriff langsam, wie ich vorgehen mußte.
ROCKY: Du willst doch jetzt nicht etwa das Geheimnis des Cat Stevens-Sounds verraten ?
Cat: Ich glaube gar nicht, daß es da ein großes Geheimnis gibt. Man hat eine Melodie im Kopf, klar. Aber irgendwie will man sie ja nicht nur auf dem Klavier herunterklimpern. Also lernt man ein Instrument. Bei mir war es die Gitarre, und die ersten drei Akkorde, die ich beherrschte, waren natürlich die klassischen Akkorde A, D, E. Die heilige Dreifaltigkeit auf der Gitarre sozusagen. Und alles was ich schrieb, basierte darauf. Natürlich beherrsche ich inzwischen viel mehr und spiele mehrere Instrumente. Aber im Grunde bin ich den Anfängen immer treu geblieben.
ROCKY: Das klingt fast naiv, kindlich - im positiven Sinne. Und wenn man Deine Illustrationen zu den LPs sieht, verstärkt sich der Eindruck noch.

Zur Zeit habe ich eine sehr glückliche Zweierbeziehung.

Cat: Da bin ich auch froh drüber. Glaubst Du, daß wir es uns leisten können, nicht mehr von Kindern zu lernen ? Das ist meine Philosophie. Kinder haben den großen Vorteil, daß sie noch auf die meisten Dinge unvorbelastet reagieren. Sie sehen vieles viel klarer als unsereins das kann. Um das zu erreichen, müßten wir ein Observatorium auf dem Mond errichten, das die Erde beobachtet. Das wäre sicherlich interessant.
ROCKY: Das klingt nicht sehr menschenfreundlich.
Cat: Überhaupt nicht. Ich glaube prinzipiell an das Gute im Menschen. Wenn man sich mal eine Zeitung nimmt und die positiven und negativen Nachrichten gegeneinander aufrechnet, bleiben 75-80 % gute Sachen über. Das sagt doch eine ganze Menge.
ROCKY: Umso erstaunlicher, daß gerade du so menschenscheu bist. Manchmal wirkt es, als seist du ständig auf der Flucht.
Cat: Ja, ich habe mir auch schon überlegt, woran das liegen mag. Im Grunde bin ich am liebsten zu Hause. Alles in mir schreit danach. Tatsache ist, daß mir die die Dinge, die mit meiner Popularität zusammenhängen, nicht gefallen. Ich stelle mich nicht gerne vor eine große Menschemenge und singe. Ich bin lieber für mich alleine. Außerdem nutze ich die Möglichkeiten, die ich habe, um die ganze Welt kennen zu lernen. Meine Songs reflektieren das.
ROCKY: Also doch menschenscheu.
Cat: Nein. Ich bevorzuge lediglich persönliche Kontakte. Meine Familie ist mir wichtig. Mein Bruder, mit dem ich in letzter Zeit an einem Musical gearbeitet habe. Und außerdem habe ich zur Zeit eine sehr glückliche Zweierbeziehung.
ROCKY: Warum hast du dein Äußeres so radikal verändert ?
Cat: Mir war ganz einfach danach. Es paßt zu mir.

Ausgeglichen und erstaunlich zufrieden - so gab sich Cat Stevens im ROCKY-Interview, das während seines Fluges nach Kanada hoch über den Wolken geführt wurde. Oft-Flieger Cat, der unter seinem bürgerlichen Namen Steve Georgiou reist, wurde übrigens nicht einmal vom Flugzeugpersonal in seinem neuen "Look" wiedererkannt. Links ein altes Foto des Song-Schreibers.

Text und Fotos aus der Zeitschrift "ROCKY", Nr. 36 des Jahres 1978
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