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Die Geschichte hinter der Musik
"Meine Einsamkeit war so groß, daß ich kaum noch weiter wußte".
So schildert Cat Stevens die Anfangsphase seiner Karriere. Einer Karriere, die aus einem verträumten siebzehnjährigen über Nacht einen Weltstar machte - und ein nervöses Wrack. "Ich kippte jeden Tag eine Flasche Schnaps hinunter und war bei jedem Auftritt stoned". Die Maschinerie des Showgeschäftes drohte ihn zu zermalmen, da wurde er mit offener TBC ins Krankenhaus eingeliefert. So bedrückend die zwei Jahre im Sanatorium für Cat Stevens waren, sie hatten auch einen Vorteil: Der stille, romantisch veranlagte Stevens, der immer nur einfache Lieder und keine aufgedonnerten Hits produzieren wollte, konnte sich aus den Fängen seiner ersten Plattenfirma befreien.

"Wenn ich Musik hören will, lege ich keine Schallplatte auf, sondern setz´ mich ans Klavier und schreib´ mir welche".

"Der Bruch war endgültig. Ich atmete auf, als ich nicht mehr von geldgierigen Managern hin- und hergeschubst wurde. Ich wollte nichts mehr mit all den cleveren Geschäftsleuten zu tun haben, denen es egal war, ob ich vor die Hunde gehe". Steve Georgiou, so der richtige Name des Sohnes einer Schwedin und eines Griechen, nahm sich vor, seine zweite Karriere selbst zu lenken. Gelegenheit dazu bekam er sehr schnell. Die junge, progressive englische Schallplattenfirma "Island" garantierte dem scheuen Songwriter Stevens alle Freiheiten. So entstand das erste wirklich typische Cat Stevens-Album: "Mona Bone Jakon". Die Naivität und Schönheit der Stevens-Songs unterstrich der Sänger noch mit einem selbstgemalten LP-Cover. Das Publikum reagierte enthusiastisch. Da sang einer wunderschöne Lieder, drückte mit einfachsten Mitteln tiefe Empfindungen aus und blieb bei alledem immer er selbst. "Was es über mich zu sagen gibt, ist in meinen Liedern enthalten", beschied er Reportern, die mehr über ihn und sein Privatleben erfahren wollten. Es gibt kaum einen anderen erfolgreichen Künstler, der sich so konsequent vor der Öffentlichkeit versteckt wie Cat Stevens. Als sei er ununterbrochen auf der Flucht, reist er von London nach New York, von dort zurück nach Griechenland oder in die Schweiz und taucht dann wieder in Brasilien auf. Kein Zweifel: Cat Stevens braucht die Zurückgezogenheit. "Das Leben erschreckt mich oft, und wenn ich es nicht auch in so vielen Bereichen lieben würde, hätte ich es ziemlich schwer." So ehrlich, wie Cat Stevens in seinen Songs ist, die oft auch, wie etwa "Lady D´Arbanville", von eigenen Erfahrungen und vom Tod handeln, so konsequent ist er im eigenen Tun. Stevens empfindet seinen Reichtum als peinlich angesichts der Not, die um ihn herum herrscht. Mehrfach flossen aus den Erlösen seiner Schallplatten sechsstellige Summen an Organisationen wie UNICEF: Und vor kurzer Zeit erst gründete Stevens einen eigenen Wohltätigkeitsfond, der notleidenden Kindern zugute kommen wird. Wenn es um seine Musik geht, ist der 29 jährige ein verbissener Arbeiter. Als er 1974 auf Welttournee ging, erwarteten seine Freunde, daß ihn die Strapazen in die Knie zwingen würden. Das Gegenteil war der Fall: "Man darf sich ganz einfach nicht zu einer Maschine umfunktionieren lassen, sondern muß sich immer vor Augen halten, daß man Lieder macht und damit sein Publikum erreichen will. Natürlich habe ich am Anfang meiner Karriere davon geträumt, ein Popstar zu sein, aber das ist niemals bis zur Selbstaufgabe gegangen. Ich kann meinem Publikum jedenfalls mit gutem Gewissen gegenübertreten". Nicht alle seine Langspielplatten waren so erfolgreich wie "Tea for the Tillerman" oder "Catch Bull at Four". Für Cat Stevens ist jedoch der Erfolg der geringste Maßstab. " "Foreigner" war vielleicht ein falsches Album. Es hat viele Leute erschreckt. Aber ich wollte zeigen, daß wir irgendwie Fremde sind. Ich jedenfalls habe mich auf der Welt noch nie so richtig zu Hause gefühlt".

Was diesem scheuen Songwriter bleibt, ist der Reiz, musikalisch noch längst nicht alles erprobt zu haben. "Ich habe nur ein Ziel: Mich weiter zu entwickeln und zu verbessern". Wenn man "Izitso", Cat Stevens´ letzte LP, hört, hat man allerdings das Gefühl, daß es nicht mehr allzu viel hinzuzulernen gibt - musikalisch jedenfalls. Und vielleicht wird er sich ja nicht nur vom Leben eines Tages erschrecken lassen, sondern auch damit fertig werden. Irgendwie.

Peter M. Kersten

Text und Fotos aus der Zeitschrift "Rocky", Nr. 48 aus dem Jahre 1977
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