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Die Geschichte hinter der Musik
NACHFRAGE

Was macht eigentlich...

...CAT STEVENS ? In den 70ern sang der Sohn eines Griechen und einer Schwedin, der sich heute >>Islam<< nennt, vor einem Millionenpublikum Balladen wie >>Morning has Broken<< oder >>Moonshadow<<

>>Schon während meiner Zeit im Musik-Busineß habe ich nach dem wahren Sinn des Lebens gesucht<<

Vor 20 Jahren konvertierte der heute 49jährige Cat Stevens zum Islam und nennt sich seither Yusuf Islam. Der fünffache Vater lebt mit seiner Familie in London und leitet dort drei Koranschulen. Noch in diesem Jahr will er eine Sammlung von bosnischen Liedern,Instrumentalstücken und Gedichten herausbringen.

STERN: Die meisten Ihrer Kollegen sind noch immer auf der Bühne oder feiern gerade ihr Comeback. Die Musikmanager reißen sich doch bestimmt auch um Sie, oder ?
ISLAM: Die fragen mich mittlerweile gar nicht mehr. Die wissen, daß mit mir nicht ernsthaft zu rechnen ist.
STERN: Ihr letzter Beinahe-Auftritt war im Juli 1985 beim >>Live Aid<<-Konzert im Londoner Wembley Stadion...
ISLAM: Ich war nach Elton John eingeplant. Ich wollte einen A-Capella-Song präsentieren. Doch als mich der Veranstalter ohne Gitarre rumstehen sah, befürchtete er, ich könnte mich auf der Bühne daneben benehmen. Ich war offenbar ein unkalkulierbares Risiko, also mußte Elton überziehen.
STERN: Warum sind Sie zum islamischen Glauben übergetreten ?
ISLAM: Schon während der Zeit im Musikbusineß habe ich nach dem wahren Sinn des Lebens gesucht. Ich habe auf etlichen Wegen nach Antworten auf die immer zahlreicheren Fragen gesucht: Meine Versuche reichten von vegetarischer Ernährung, über Yoga und Astrologie bis hin zu verschiedenen Religionen. Bis mir mein Bruder den Koran zu lesen gab. Da wußte ich: Hier sind die Antworten auf meine Fragen.
STERN: Haben Sie sich im Showbusineß denn nie wohl gefühlt ?
ISLAM: Es hat Zeiten gegeben, da fand ich es toll, ein Popstar zu sein. Ich hatte es geschafft, hatte einen Berg erklommen. Aber ich wußte, daß der Gipfel, den ich in meinem Leben erreichen wollte, anderer Art war.
STERN: Wissen Ihre fünf Kinder, daß ihr Vater ein umjubelter Sänger war ?
ISLAM: Natürlich. Meine Vergangenheit wird zu Hause sehr transparent gehandhabt. Die Kinder hören ab und zu meine alten Songs. Mir gefallen einige davon ja auch noch. Ich habe mit meinen Liedern das Lebensgefühl der damaligen Zeit gut reflektiert.
STERN: Dürfen Ihre Kinder fernsehen ?
ISLAM: Während des Ramadan ist Fernsehen tabu. Sonst schauen wir Fußball, Nachrichten und interessante Dokumentarsendungen. Den anderen Müll tun wir uns nicht an. Aber das ist keine Frage der Religion, sondern eine Frage des Geschmacks und des Niveaus.
STERN: Vor zwei Jahren haben Sie >>The Life of the last Prophet<< als Sprechgesang als CD und als Buch herausgebracht. Setzen Sie heute Ihre Popularität ein, um den moslemischen Glauben zu verbreiten ?
ISLAM: Es ist mir in der Tat ein Anliegen, den Leuten die menschliche Seite des Propheten Mohammed näher zu bringen. Er war Vater, Führer, Mann, er kümmerte sich liebevoll um Kinder und Bedürftige. Die westliche Welt ist dem islamischen Glauben gegenüber ziemlich ignorant, sieht nur die rauhen Kanten dieser Religion.
STERN: Haben Sie noch Kontakt zu alten Pop-Kollegen ?
ISLAM: Wenig. Einmal im Jahr treffe ich Mitglieder meiner alten Band. Elton John habe ich lange nicht mehr gesehen. Ich fürchte, ich habe nicht mal mehr seine Telefonnummer.
STERN: Und was denken Sie, wenn Sie die Alt-Rocker über die Bühne wirbeln sehen ?
ISLAM: Ein paar von ihnen werden ausschließlich vom Applaus am Leben gehalten. Und sie fallen in ein großes Loch, sobald der Applaus verstummt. Wer so stark von der Anerkennung des Publikums abhängig ist, hat wohl gravierende Defizite.

Mit Cat Stevens sprach STERN-Mitarbeiterin Brigitte Baumann

Text und Fotos aus der Zeitschrift STERN, Nr. 24 des Jahres 1997
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