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Die Geschichte hinter der Musik
Ein Mensch unserer Zeit ? Cat Stevens.

"Meine Lieder sind irgendwie leer. Es gibt Platz in ihnen. Jeder, der sie hört, kann seine eigenen Gedanken hineinbringen. Sie sind wie eine Wolke; wenn Du hineinschaust, ist sie schon vorbeigezogen..." (Cat Stevens)

Er überstand die Tuberkulose, bezwang das Rauschgift und begann eine neue Karriere. Mit "Mona Bone Jakon", seiner ersten Langspielplatte nach seiner Krankheit, tauchte er nach über einjähriger Abgeschiedenheit in einem Sanatorium auf dem Lande wieder in der Szene auf; dieses Album sollte der Grundstein für die sagenhafte zweite Karriere des Cat Stevens werden. "Tea for the Tillerman", "The Teaser and the Firecat" und "Catch Bull at Four", seine drei weiteren bis heute erschienenen LP´s, festigen seinen Ruf als einer der sensibelsten Poeten und Komponisten der Popmusik. Doch wer ist der 25 jährige bärtige Mann mit dem traurigen Lächeln ? Wer ist der wahre Cat Stevens, der Mann voller Widersprüche ? Grieche, Schwede oder gar Ägypter?

Auf Steve Georgiou ist sein Taufschein ausgestellt. Seine Mutter ist Schwedin - sein Vater Grieche. Aber auch im Stammbaum seines Vaters gibt es Seitensprünge. In Vater Stavros Adern (Cat nennt seinen Vater beim Vornamen) fliesst aber auch ägyptisches Blut. Deshalb blieb er selbst unter den Exilgriechen ein Aussenseiter. Dieses Aussenseitertum hat Cat von seinem Vater geerbt.
Mit seiner hellenischen Herkunft beschäftigt sich Cat häufig in seinen Songs und lässt sich von griechischen Volksmusikern begleiten.

Auf eigenen Beinen ?
Seine Eltern führen das "Moulin Rouge", ein Restaurant an der Shaftsbury Avenue in London. Die Gaststätte war ihnen wichtiger als die Überwachung des kleinen Cat, und seine Schwester musste ihm oft die Mutter ersetzen. Völlig frei war Cat aber nicht. Sein Vater machte sich von Zeit zu Zeit mit heftigen Temperamentsausbrüchen bemerkbar. Cat erzählt davon in seinem Lied "Father and Son". Die Erfahrungen von Londons Strassen möchte Cat hingegen nicht missen. Sie stellten ihn schon früh auf eigene Beine. Heute vergleicht er sich schon mit seinem Vater und nennt sich selbst einen "erfahrenen Mann". Entscheidend für seine Lebens - Erfahrungen waren jedoch auch: Mädchen und Drogen.

Nie mehr Drogen ?
"Ich frage mich immer noch, wie die Innenseite meines Körpers aussieht", sagt Cat Stevens, wenn er von seinen Spital- Aufenthalten berichtet. Zuerst hatte er "nur" Tuberkulose. Er wurde geheilt. Darauf verfiel er den Drogen. Schliesslich erkannte er, dass sie die Endstation seiner Musikerlaufbahn, ja vielleicht sein Ende überhaupt sein könnten. Von sich aus unterzog er sich einer Entziehungskur. Cat: "Ich machte jeden Tag Yoga. Dies hat mir am meisten geholfen. Drogen werde ich nie mehr nehmen, davon bin ich überzeugt - denn ich habe mich innerlich verändert". Dies kann Cat auch anderswo feststellen.

Jetzt glücklicher in der Liebe ?
Seine tragischste Liebe war wohl jene zu Patti D´Arbanville. Patti, in Londoner Pop-Kreisen "Jet-Set Lady" genannt, lief ausgerechnet zum noch berühmteren Mick Jagger über. Cat besang seine Enttäuschung mit dem Song "My Lady D´Arbanville" auf seiner ersten LP. Nach Patti wurde er vorsichtiger. So vorsichtig, dass er Liebesglück nur noch von ferne in seinen Liedern erträumte. "Ich habe erfahren, dass nur das Alleinsein keine falsche Sicherheit ist", erzählte Cat, "sogar eine Familie gründen ist Illusion - sie verschwindet doch und stirbt".

Zen-Buddhist ?
Für das "Glück mit sich allein" liess er sich ein dreistöckiges Haus in Fulham herrichten, das er allein bewitschaftet. Er besitzt kaum noch Platten, weil er sie alle verschenkte. "Neben der Musik fand ich einen anderen Halt. Ich beschäftige mich mit Zen-Buddhismus So bin ich auch dazu gekommen, meine neue LP "Catch Bull at Four" philosophischer zu gestalten. (Der Titel ist eine Abwandlung der zehn Erleuchtungsstufen im Zen-Buddhismus)
Ich schrieb ein Lied über Vietnam: "Ruins" (Ruinen). Darauf bin ich durch Zen-Meditation gekommen". Weiter meint Cat Stevens über Zen: "Man läuft wie gewöhnlich durch die Oxford Street und bemerkt plötzlich, dass die Welt gar nicht in Ordnung ist: So wirkt Zen".

Ein Mensch unserer Zeit ?
Krank, zwiespältig, kontaktscheu, verzweifelt - und immer wieder ein Neuanfang: das ist Cat Stevens, ein Mensch unserer Zeit...

Text und Foto aus der Zeitschrift "Pop", Nr. 13 vom 21.6.1973.
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